Donnerstag, 19. Juli 2012

Ihr Lieben,
wenn man eine so lange Zeit weg ist vom alltäglichen Leben, von der Schule, den Freunden, der Familie und seinem Zuhause, fängt man automatisch an sich Gedanken über sein Leben zu machen. Hier kann ich es mit Abstand betrachten, stecke nicht mittendrin sondern schaue sozusagen nur vom Spielfeldrand aus zu. Es fühlt sich an, als wäre Halbzeitpause wie in einem Fußballspiel. Nach der Pause geht es genau dort weiter, wo es aufgehört hat. Mit den gleichen Spielern, dem gleichen Ball und dem gleichen Torwart.
Was aber, wenn man sich verändert hat in dieser Zeit? Was, wenn man neue Strategien, neue Ansichten und neue Erfahrungen mit sich bringt? Bekommt man dann die Zeit, diese auszuprobieren oder geht es einfach immer so weiter das Spiel?
Mir ist nach einer Veränderung. Es ist langweilig geworden, immer das gleiche zu sehen, immer den selben Ball vor sich herzuschießen. Nach der Halbzeit spielt man in die andere Richtung, auf das andere Tor und trotzdem ist es irgendwie genauso gut oder schlecht wie vorher.
Hier auf Sylt sind wir alle andere Menschen. Wir sind wir selbst, müssen uns nicht verstellen, uns nicht verstecken hinter Schminke, teuren Klamotten oder dem Schweigen. Hier darf jeder so sein, wie er ist. Wir haben diese schwarzen Jacken vom Circus Mignon. Fast alle haben sie und tragen sie täglich bei der Arbeit. Es gibt einem das Gefühl dabei zu sein, dazu zu gehören egal ob man Locken hat, schwarze oder blonde Haare. Niemand ist jemand besseres, alle kommen mit den gleichen Bedingungen und werden so aufgenommen wie sie eben sind. In den letzten Wochen habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wer ICH bin. Seitdem ich hier bin, habe ich mich vielleicht einmal geschminkt, mir einmal die Haare geglättet, das wars dann auch schon wieder. Jeder steht hier morgens auf und ist einfach so wie er ist. Man denkt hier einfach nicht darüber nach, was man anzieht und trotzdem fühlen sich alle gut. Nein, es ist wahrhaftig nicht so, dass wir hier ausschließlich mit Gummistiefeln, Jogginghose und viel zu großem Pulli über den Platz laufen, aber es geht ja auch einfach darum, dass man sich wohl fühlt, egal was man anhat.
Hier muss sich niemand beweisen. Jeder ist irgendwie auf seine Art und Weise beliebt, muss keine großen Sprüche klopfen und keine tollen Sachen können. Man muss nur eben einfach man selbst sein. Keine leichte Aufgabe aber ich denke, die meisten lernen es in der Zeit, in der sie hier sind.
Obwohl man hier mittendrin ist in der High Society Deutschlands, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. In einer Welt ohne Konkurrenzkampf, in einer Welt in der man einfach Spaß haben darf, in der einem das Lernen und Arbeiten mehr Spaß bringt, als jemals zuvor, in einer Welt voller Freunde und Geborgenheit.
Wenn ich hier eines gelernt habe, dann ist es, mich so gut zu fühlen, wie ich bin. Zufrieden zu sein mit mir und dem was ich leiste und mache und glücklich zu sein in allem was ich tue. Ich bereue nichts, keinen einzigen Tag und wenn er auch noch so beschissen war.
Danke Sylt, dass ich jetzt weiß, wer ich bin! Danke lieber Circus Mignon für all diese wunderbaren Erfahrungen.
Danke Leonie, Elina, Saskia, Kathi, Lena, Lisa, Greti, Sophia, Mikail, René und allen anderen.
Vorallem aber: Danke Leopold.

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